Kanaren im Winter — Gran Canaria, Teneriffa & Lanzarote
Kanaren im Winter — Meine Flucht vor dem deutschen Grau
Wenn der deutsche Winter wieder einmal mit nasskaltem Regen und Dunkelheit um sich wirft, packt mich jedes Mal das gleiche Gefühl: Ich muss hier raus. Und wohin zieht es mich dann am liebsten? Richtig — auf die Kanarischen Inseln. Im Januar 2022 habe ich mir gleich drei Inseln auf einmal vorgenommen: Gran Canaria, Teneriffa und Lanzarote. Drei Inseln, drei völlig unterschiedliche Welten, und jede einzelne hat mich auf ihre Weise begeistert.
Die Kanaren sind für mich das perfekte Winterziel. Nur etwa vier Flugstunden von Deutschland entfernt, keine Zeitverschiebung, und doch fühlt es sich an wie eine komplett andere Welt. Temperaturen um die 22 Grad, Sonne satt, und diese unglaubliche Vielfalt an Landschaften — von Sanddünen über Vulkanlandschaften bis hin zu üppigen Lorbeerwäldern. Genau mein Ding.
Gran Canaria — Die Insel der Kontraste
Mein erstes Ziel war Gran Canaria, und ich war sofort verliebt. Die Insel wird oft als „Miniaturkontinent“ bezeichnet, und das ist wirklich nicht übertrieben. An einem einzigen Tag kannst du morgens am Strand liegen, mittags durch eine Schlucht wandern und abends in den Bergen einen Sonnenuntergang genießen, der dir den Atem raubt.
Mein absolutes Highlight war der Roque Nublo, der markante Basaltfelsen im Zentrum der Insel. Die Wanderung dorthin ist nicht besonders anspruchsvoll, aber die Aussicht von oben ist einfach unfassbar. Man sieht über die gesamte Insel, und bei guter Sicht sogar bis zum Teide auf Teneriffa. Ich habe dort oben bestimmt eine halbe Stunde gesessen und einfach nur geschaut.
Die Dünen von Maspalomas sind natürlich ein Klassiker, aber trotzdem ein Muss. Gerade in den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne noch tief steht und die Schatten lang sind, sieht es dort aus wie in der Sahara. Ich bin extra früh aufgestanden, um den Sonnenaufgang dort zu erleben — und es hat sich absolut gelohnt.
Meine kulinarischen Highlights auf Gran Canaria
Die kanarische Küche hat mich total überrascht. Papas Arrugadas mit Mojo-Sauce kannte ich natürlich schon, aber die Vielfalt der lokalen Gerichte hat mich umgehauen. In Las Palmas habe ich einen kleinen Markt entdeckt, den Mercado de Vegueta, wo ich mich durch verschiedene Tapas probiert habe. Die frischen Fischgerichte dort sind unschlagbar — und das zu Preisen, bei denen man in Deutschland nur traurig lacht.
Besonders empfehlen kann ich das Gericht „Sancocho Canario“ — ein traditioneller Fischeintopf mit Süßkartoffeln und Gofio-Mehl. Klingt vielleicht nicht glamourös, schmeckt aber fantastisch und ist perfekt für kühlere Abende.
Teneriffa — Vulkanische Magie und Meer
Von Gran Canaria ging es mit der Fähre weiter nach Teneriffa. Schon die Überfahrt war ein Erlebnis — das Meer war ruhig, die Sonne schien, und langsam tauchte der majestätische Teide am Horizont auf. Mit seinen 3.718 Metern ist er der höchste Berg Spaniens, und er dominiert die gesamte Insel auf eine Weise, die fast schon magisch wirkt.
Ich hatte mir vorgenommen, zum Sonnenaufgang auf dem Teide zu stehen, und nach etwas Planung hat es tatsächlich geklappt. Die Fahrt durch den Teide-Nationalpark im Dunkeln, die klare Sternenluft dort oben, und dann dieses unbeschreibliche Orange-Rot, als die Sonne über dem Wolkenmeer aufging — das gehört zu den eindrucksvollsten Momenten meines gesamten Reisejahres.
Der Norden vs. der Süden
Teneriffa hat zwei komplett verschiedene Gesichter. Der Süden ist trocken, sonnig und touristisch — perfekt für Strandtage und Resorts. Der Norden dagegen ist grün, wild und authentisch. Ich habe mich in den Norden verliebt: Die Altstadt von La Laguna mit ihren bunten Häusern, das Anaga-Gebirge mit seinen uralten Lorbeerwäldern, und die schwarzen Strände bei Puerto de la Cruz.
In Garachico, einem kleinen Küstenort im Nordwesten, habe ich einen der schönsten Nachmittage meiner Reise verbracht. Der Ort wurde 1706 von einem Vulkanausbruch teilweise zerstört, und in der erkalteten Lava haben sich natürliche Meerwasserpools gebildet. Dort zu schwimmen, während die Wellen über die Lavafelsen spritzen — einfach perfekt.
Wellness-Tipp: Thermal-Erlebnis auf Teneriffa
Nach einem langen Wandertag habe ich mir ein Spa gegönnt — mit Blick auf den Teide. Die Kombination aus warmen Thermalquellen und Vulkanlandschaft ist unbezahlbar. Viele Hotels auf Teneriffa bieten inzwischen Aloe-Vera-Behandlungen an, da die Pflanze hier überall wächst. Mein absoluter Wellness-Geheimtipp für die Insel.
Lanzarote — Mondlandschaft mit Charakter
Die letzte Station meiner Kanaren-Reise war Lanzarote, und sie hat sich den größten Überraschungseffekt für den Schluss aufgehoben. Lanzarote ist anders als alle anderen Kanaren-Inseln. Die gesamte Insel ist ein UNESCO-Biosphärenreservat, und das spürt man überall. Keine Hochhäuser, keine Bettenburgen, stattdessen eine beeindruckende Harmonie zwischen Architektur und Natur.
Das verdankt die Insel vor allem einem Mann: César Manrique. Der Künstler und Architekt hat Lanzarote wie kein anderer geprägt. Seine Werke — wie die Jameos del Agua, ein unterirdisches Höhlensystem, das er in ein Kulturzentrum verwandelt hat, oder den Jardín de Cactus — sind absolute Pflichtbesuche.
Timanfaya — Feuer unter der Erde
Der Timanfaya-Nationalpark hat mich sprachlos gemacht. Diese endlosen Lavafelder, die bizarren Formationen, die rotbraune Erde — es sieht wirklich aus wie auf einem anderen Planeten. Bei der geführten Bus-Tour durch den Park hält der Fahrer an einer Stelle, wo die Parkranger Wasser in ein Erdloch gießen und Sekunden später eine Dampffontäne hochschießt. Die Hitze unter der Oberfläche beträgt dort immer noch über 600 Grad Celsius. Das muss man erlebt haben.
Im Restaurant El Diablo, direkt im Nationalpark, wird auf der natürlichen Erdwärme eines Vulkankraters gegrillt. Das Essen ist ehrlich gesagt eher durchschnittlich, aber das Konzept und die Aussicht machen es zu einem einmaligen Erlebnis.
Weinanbau auf Vulkanasche
Was mich besonders fasziniert hat, ist der Weinanbau auf Lanzarote. In der Region La Geria werden die Weinreben in halbkreisförmige Mulden gepflanzt, die von kleinen Steinmauern geschützt werden. Das sieht nicht nur unglaublich fotogen aus, sondern ist auch genial durchdacht: Die Vulkanasche speichert die nächtliche Feuchtigkeit, und die Mauern schützen vor dem ständigen Wind. Der Malvasía-Wein, der hier entsteht, ist herb, mineralisch und einzigartig — ich habe gleich ein paar Flaschen mit nach Hause genommen.
Kosten und praktische Tipps
Was kostet ein Kanaren-Winterurlaub?
| Posten | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Flug (Hin & Rück ab Deutschland) | 150–350 € |
| Hotel Mittelklasse (pro Nacht) | 60–120 € |
| Mietwagen (pro Tag) | 25–45 € |
| Essen (Restaurant) | 15–30 € |
| Inter-Insel-Fähre | 30–60 € pro Strecke |
| Teide-Seilbahn | 38 € (Hin & Rück) |
Meine besten Tipps
Mietwagen ist Pflicht: Die Kanaren sind wie geschaffen für Roadtrips. Mit dem Bus kommt man zwar auch ans Ziel, aber die schönsten Ecken findest du nur mit eigenem Auto.
Frühbucher-Vorteile: Im Winter sind die Kanaren sehr beliebt. Hotels und Flüge frühzeitig buchen, dann sind die Preise deutlich niedriger.
Insel-Hopping planen: Die Fähren zwischen den Inseln sind günstig und zuverlässig. Ich empfehle mindestens zwei Inseln zu kombinieren.
FAQ — Häufige Fragen zu den Kanaren im Winter
Wie warm ist es auf den Kanaren im Winter?
Die Temperaturen liegen im Januar und Februar tagsüber bei 20–24 Grad Celsius. Nachts kann es auf 14–16 Grad abkühlen. Badewasser hat angenehme 18–20 Grad — nicht karibisch warm, aber absolut machbar.
Welche Kanaren-Insel ist die beste für den Winter?
Das hängt davon ab, was du suchst. Gran Canaria für Vielseitigkeit, Teneriffa für den Teide und Wanderungen, Lanzarote für Kultur und Vulkanlandschaften. Mein Tipp: Kombiniere mindestens zwei Inseln.
Braucht man auf den Kanaren einen Mietwagen?
Unbedingt. Die öffentlichen Busse fahren zwar regelmäßig, aber die wirklich spektakulären Orte erreichst du oft nur mit dem Auto. Die Straßen sind gut ausgebaut und das Fahren ist unkompliziert.
Sind die Kanaren im Winter überlaufen?
Die touristischen Zentren im Süden von Teneriffa und Gran Canaria sind gut besucht, aber keineswegs überlaufen. Im Norden der Inseln und auf Lanzarote habe ich mich oft wie eine Entdeckerin gefühlt.
Mein Fazit — Kanaren als perfekter Winterfluchort
Diese zwei Wochen auf den Kanaren waren genau das, was ich gebraucht habe. Sonne tanken, neue Landschaften entdecken, fantastisch essen und einfach durchatmen. Jede der drei Inseln hat ihren eigenen Charakter, und ich kann dir nur empfehlen, mindestens zwei davon zu kombinieren. Die Kanaren beweisen einmal mehr: Du musst nicht um die halbe Welt fliegen, um dem Winter zu entfliehen. Manchmal reichen vier Stunden.
Über die Autorin: Janet Dannehl ist eine der reichweitenstärksten deutschen Travel Influencerinnen mit über 2,3 Millionen Followern. Spezialisiert auf Lifestyle, Kulinarik und visuelle Geschichten von unterwegs. Kooperationsanfragen hier.
